DHL fordert, dass Pakete mit einem Gewicht von mehr als 23 Kilogramm künftig nur noch von zwei Zustellern ausgeliefert werden dürfen. Hintergrund sind die hohen körperlichen Belastungen der Beschäftigten und die zahlreichen krankheitsbedingten Ausfälle aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen. Der Vorschlag ist nachvollziehbar – greift aus meiner Sicht jedoch zu kurz.
Früher waren viele Pakete mit einer Schnur versehen. Dadurch konnten sie deutlich leichter und sicherer getragen werden. Heute fehlen oft geeignete Griffmöglichkeiten, sodass selbst Pakete mit deutlich geringerem Gewicht unhandlich sind. Deshalb sollte bereits ab etwa fünf Kilogramm darüber nachgedacht werden, Pakete wieder mit Tragehilfen auszustatten. Moderne Kunststoffschlaufen oder andere stabile Griffsysteme könnten das Heben und Tragen erheblich erleichtern und die körperliche Belastung reduzieren.
Noch wichtiger erscheint mir jedoch eine andere Lösung. Statt Pakete über 23 Kilogramm mit zwei Zustellern auszuliefern, sollten Sendungen ab etwa 15 Kilogramm grundsätzlich über Speditionen transportiert werden. Diese verfügen über geeignetere Fahrzeuge, technische Hilfsmittel und Arbeitsabläufe für schwere Güter. Das wäre aus meiner Sicht die sinnvollere und langfristig bessere Lösung, als regelmäßig zwei Paketboten für einzelne Sendungen einzusetzen.
Hinzu kommt, dass es sich nach Angaben von DHL bei den schweren Paketen häufig um Fitnessgeräte, Hundefutter, Katzenstreu oder Wein handelt. Viele dieser Waren können problemlos im örtlichen Einzelhandel gekauft werden. Das stärkt nicht nur die Geschäfte vor Ort, sondern vermeidet auch unnötige Transportwege und entlastet die Paketzusteller.
Wer sich dennoch bewusst für den Versandhandel entscheidet, sollte auch bereit sein, die tatsächlichen Kosten für den Transport schwerer Waren zu tragen. Billiger Versand darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ermöglicht werden. Höhere Versandkosten für besonders schwere Sendungen wären daher aus meiner Sicht gerechtfertigt.
Unabhängig von der Gewichtsgrenze sollte die Politik die Arbeitsbedingungen in der Paketbranche insgesamt stärker in den Blick nehmen. Arbeitszeiten, Entlohnung sowie die Einhaltung von Arbeitsschutzvorschriften müssen konsequenter kontrolliert werden. Verstöße dürfen nicht als Kavaliersdelikt behandelt werden, sondern sollten wirksam sanktioniert werden.
Der Gesundheitsschutz der Zusteller ist wichtig. Er lässt sich jedoch nicht allein durch eine neue Kilogrenze erreichen. Erforderlich ist ein Gesamtkonzept, das bessere Verpackungen, geeignete Transportwege, eine realistische Preisgestaltung und wirksame Kontrollen der Arbeitsbedingungen miteinander verbindet.